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PRESSEMITTEILUNGEN

Ende der Intercity-Linie 51 in Ostthüringen – Rückzug des Fernverkehrs wird für Thüringen zum Standortproblem

Ende der Intercity-Linie 51 in Ostthüringen – Rückzug des Fernverkehrs wird für Thüringen zum Standortproblem

Bund muss Rahmenbedingungen für Fernverkehr in der Fläche schaffen

Zum heutigen Ende der Intercity-Linie 51 in Ostthüringen und zu den Auswirkungen auf die überregionale Anbindung Thüringens erklärt der Fahrgastverband PRO BAHN Thüringen:

„Nach fast 8 Jahren stellt die DB Fernverkehr AG den IC-Verkehr zwischen Erfurt und Gera ein. Aus der vor mehr als einer Dekade hoffnungsvoll gestarteten bundesweiten Fernverkehrsoffensive in der Fläche ist schon seit Jahren ein Rückzug auf Raten geworden. Statt des damals für die Mitte-Deutschland-Verbindung in Aussicht gestellten Zwei-Stunden-Takts und der Verlängerung nach Chemnitz kommt jetzt das jähe Aus.

Für Thüringen wird mit diesem erneuten Einschnitt die Anbindung an das Fernverkehrsnetz immer stärker zu einem Erreichbarkeits- und damit Standortproblem. Das Fernverkehrsangebot konzentriert sich lediglich auf die drei Städte Erfurt, Gotha und Eisenach. Erfurt und Eisenach sind die einzigen thüringischen Oberzentren, die in das Fernverkehrsnetz eingebunden sind. Von einer gedeihlichen Landesentwicklung kann in diesem Zusammenhang längst nicht mehr die Rede sein. Die zwei IC-Zugpaare auf der Saalbahn sind ein kaum wahrnehmbares und ebenfalls langfristig nicht gesichertes Angebot.

Angesichts von Rekordpreisen an den Tankstellen ist die Einstellung des Fernverkehrs auf der östlichen Mitte-Deutschland-Verbindung eine verkehrspolitische Geisterfahrt. Statt achselzuckend neben dem Gleist zu stehen, erwarten wir vom Bund ein entschiedenes Gegensteuern. Kurzfristig könnten die Trassenpreise für die Nutzung der Infrastruktur vom Bund gesenkt werden.

Langfristig muss der Bund sicherstellen, dass Fernverkehr auch außerhalb der großen Ballungsräume angeboten wird und zuverlässig funktioniert. Mit der kürzlich veröffentlichten Marktmodellstudie liegt dafür im Grundsatz bereits eine Handlungsanweisung vor. Der Bund muss einen 'Bundesaufgabenträger Fernverkehr' schaffen, der die Bedienung der Fläche organisiert und Fernverkehr anbieterunabhängig auch dort sichert, wo er nicht eigenwirtschaftlich betrieben werden kann.

Ostthüringen braucht eine verlässliche überregionale Anbindung. Sie ist wichtig für Berufspendler, Wirtschaft, Tourismus und gesellschaftliche Teilhabe.

Dass der Betrieb der Intercity-Linie 51 zuletzt extrem unzuverlässig und für die Fahrgäste oft eine Zumutung war, geht auf interne DB-Probleme zurück, was selbstverständlich nicht grundsätzlich gegen Fernverkehr spricht.

Für Fernreisende von und nach Ostthüringen bedeutet das Umsteigen auf Nahverkehrszüge eine spürbare Verschlechterung. An die Stelle einer durchgehenden Fernverkehrsverbindung treten in die Jahre gekommene Dieseltriebwagen und ein zusätzlicher Umsteigezwang in Erfurt. Die damit verbundene Wartezeit von mehr als 20 Minuten verlängert die Reise und macht sie zugleich unattraktiver und störanfälliger. Durch den künftig erforderlichen Vorlauf im Nahverkehr werden außerdem die Fahrpreise steigen.

Die Auswirkungen treffen auch Westthüringen: Zwar verkehren zwischen Erfurt und dem Ruhrgebiet weiterhin zwei Fernzüge; diese halten jedoch nicht mehr in Gotha und Eisenach. Während die Fahrgäste in beiden Städten bestenfalls die Zugschlusslichter sehen, halten die ICE in Ostwestfalen sogar in den Kleinstädten Warburg und Altenbeken. Für die Ziele Eisenach und Gotha sind damit zusätzliche Umstiege, längere Reisezeiten und höhere Fahrpreise die Folge. Offenbar hat Thüringen seine Interessen bei der Gestaltung der ‚Haltepolitik‘ gegenüber der DB nicht vertreten.“ 

 

Über den Fahrgastverband PRO BAHN

Der Fahrgastverband PRO BAHN ist ein Verbraucherverband, der bundesweit die Fahrgäste aller öffentlichen Verkehrsmittel vertritt. Er ist Gründungsmitglied der Allianz pro Schiene und des Europäischen Fahrgastverbandes sowie Mitglied der Verbraucherzentrale Bundesverband. 2017 wurde der Fahrgastverband PRO BAHN mit dem Bundespreis Verbraucherschutz ausgezeichnet. Der Fahrgastverband PRO BAHN arbeitet ehrenamtlich im Interesse der Fahrgäste. Die Mitglieder "erfahren" tagtäglichen öffentlichen Verkehr (ÖV) auf Schiene und Straße. Aus diesen Erfahrungen heraus lobt und kritisiert der Verband Akteure und Unternehmen des öffentlichen Verkehrs, erstellt Konzepte, ist in offiziellen Landes-, Bundes- und Europa-Gremien aktiv, sensibilisiert und berät Politiker in Angelegenheiten des öffentlichen Verkehrs, beeinflusst die öffentliche Diskussion durch sachliche Aufklärung über Hintergründe, hält Vorträge und Seminare sowie Fahrgastsprechstunden und Automatenschulungen u.v.a.m. Detaillierte Informationen finden Sie unter www.pro-bahn.de

Rückfragen bitte an Olaf Behr, Vorsitzender, Tel.: 0172-7986520, o.behr@thueringen.pro-bahn.de oder Henning Eggers, stellvertretender Vorsitzender, presse@pro-bahn-thueringen.de

v.i.S.d.P.: Henning Eggers

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